Orientierung im Hundetrainingsdschungel

Im Internet findet man Videos von Hundeschulen in denen Hunde dazu gezwungen werden über offenes Feuer zu springen, aversiv arbeitende Persönlichkeiten haben in den sozialen Medien eine halbe Millionen Follower und positives Hundetraining wird dafür verantwortlich gemacht, dass Hunde im Tierheim landen. Informationen zum Thema Hundetraining sind im Internet in Überfluss zu finden – die einen arbeiten „positive only“ (also rein über Belohnung), andere trainieren bewusst mit Strafe, wieder andere verkaufen „ihre“ Methode als Allheilmittel. Verständlich, dass jemand, der einfach nur einen Familienhund haben wollte, damit völlig überfordert ist. Wie soll man sich denn nun im Dschungel der verschiedenen Erziehungsansätze zurecht finden und für sich und seinen Hund die richtige Trainingsweise finden?

Ich bezeichne mich als positive Hundetrainerin! Was heißt das genau? Zunächst bedeutet es für mich, dass es keine Pauschallösungen gibt. Mir persönlich geht es in erster Linie darum den richtigen Trainingsweg für das jeweilige Mensch-Hund-Team zu finden, bei dem die Bedürfnisse beider mit einbezogen werden. Dies ist abhängig von so vielen verschiedenen Faktoren wie zum Beispiel die Lebensumstände und die Ziele des Menschen, sowie die Rasse, das Alter und der Charakter des Hundes.

Ganzheitliche und individuelle Betreuung

Im Erstgespräch mit meinen KundInnen werden all diese Faktoren besprochen – ohne diese wichtigen Informationen könnte ich nicht den richtigen Trainingsweg finden. So besprechen wir die Vorgeschichte und Rasse des Hundes, die Problemverhalten des Hundes, wie bisher trainiert wurde und wie der Alltag des Hundes aussieht (angefangen wo und wie er zuhause entspannt und schläft, bis hin zu wie und wie oft spazieren gegangen wird). Außerdem gilt zu klären wie die Beziehung und Bindung zwischen Hund und Mensch aussieht? Welche Regeln und Strukturen gibt es im Alltag? Und und und – so viele Fragen, die es zu klären gilt, bevor das Training überhaupt losgehen kann!

Hunde sind Hunde! Menschen sind Menschen!

Im Leben mit unseren Hunden fokussieren wir uns oft darauf, was alles nicht gut klappt und was der Hund alles für unerwünschtes Verhalten zeigt. Unerwünschte Verhalten sind aber meistens ganz normale hündische Verhaltensweisen, die nur unserer Meinung nach nicht in unsere Menschenwelt passen wie Jagen, Hüten, Bellen, Wälze oder Beißen, Fakt ist aber: Wir haben uns den Hund angeschafft und uns für das jeweilige Individuum entschieden. Deshalb ist es unsere Verantwortung unserem Hund alles beizubringen, was er braucht, um in unserer Welt bestehen zu können. Unfair ist es, vom Hund ein bestimmtes Verhalten zu erwarten, das wir ihm aber nie beigebracht haben. Erziehung und Training brauchen Wissen, Zeit, Motivation, Reflektion und kann oft ganz schön anstrengend sein.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist für mich die Realisierung, dass ich durch Training und Erziehung sehr viel erreichen kann – ich werde aber niemals die Genetik und den Charakter des Hundes ändern können. Deshalb ist mir wichtig, dass jeder seinen/ihren Hund als das Individuum akzeptiert, das er ist. Jagdmotivierte Hunde werden nicht aufhören jagen zu wollen, aber ich kann sehr viel tun, um das Jagdverhalten kontrollierbarer zu machen.

Training über positive Verstärkung

Ein zentraler Ansatz im positiven Hundetraining ist, dass das Verhalten des Hundes über positive Verstärkung in gewünschte Bahnen gelenkt wird. Denn: Verhalten, welches sich für den Hund lohnt, wird er öfter zeigen und Verhalten, welches sich für den Hund nicht lohnt, wird er seltener zeigen. Mein Fokus liegt hier in erster Linie auf dem Aufbau, also dem Erlernen von Verhalten, die mir im Alltag wichtig sind – und zwar über positive Verstärkung, also über Belohnung. Die Belohnung kann dabei Aufmerksamkeit, Zuwendung, Lob, Streicheln, Spielen, aber natürlich auch Futter oder Umweltbelohnungen sein.

Tiere sind sozusagen Opportunisten: es geht ihnen in ihrem Leben immer darum ihr Wohlbefinden zu erhalten bzw. ihren Zustand zu verbessern und sich vor Schaden zu schützen. Jedes Verhalten, das unsere Hunde zeigen hat einen Grund. Deshalb hat im Alltag mit uns auch jedes Verhalten einen Verstärker – also eine angenehme Konsequenz für den Hund. Zeigt ein Hund (für mich) unerwünschtes Verhalten gilt es erstmal die versteckten Verstärken zu identifizieren – also die Ursache für das Verhalten ausfindig zu machen, um dann das Training dementsprechend anzupassen.

Außerdem benötigt jedes Training die Fähigkeit des Menschen den Hund richtig lesen zu lernen – und das ist oft gar nicht so einfach wie man denkt. Man tätschelt dem Hund den Kopf, um ihn zu loben und sieht nicht, dass der Hund das eigentlich überhaupt nicht toll findet und sich dadurch vielleicht sogar gestraft fühlt. Eine Grundvoraussetzung, um so etwas überhaupt erkennen zu können, ist ein achtsamer Umgang mit dem Hund – nur so kann ich die kleinen, feinen Signale, die mir mein Hund sendet wahrnehmen und rechtzeitig darauf reagieren.

Ich finde es effektiver und fairer, Situationen proaktiv so zu gestalten, dass mein Hund von Anfang an erwünschtes Verhalten zeigen kann, anstatt abzuwarten, bis er einen Fehler macht, auf den ich dann nur noch reaktiv – zum Beispiel durch eine Strafe – reagieren kann. Präventives Handeln unterstützt den Hund dabei, Erfolg zu erleben und gewünschtes Verhalten nachhaltig zu verankern. Je besser ich meinen Hund kenne, desto leichter fällt es mir proaktiv zu handeln.

Faire Kommunikation, sowie erfolgreiche Interaktion sind für mich der Schlüssel zu einer stabilen Bindung mit meinem Hund. Ich nutze sehr gerne so genannte Markersignale, um die Kommunikation mit meinen Hund zu verbessern. Markersignale sind ein effektives Werkzeug im positiven Hundetraining, da sie präzises Verhalten markieren und dem Hund klar machen, was belohnt wird. Sie stärken die Bindung, beschleunigen das Lernen und finden vielseitig Anwendung: im Grundgehorsam, im Umlenken von unerwünschtem Verhalten oder freien Formen neuer Verhaltensweisen. Auch ängstliche Hunde profitieren, da Markersignale selbstsicheres Verhalten fördern und positive Verknüpfungen schaffen.

Die Orientierung des Hundes am Menschen ist eine zentrale Grundlage für ein harmonisches Miteinander und ein effektives Training. Sie ermöglicht eine klare Kommunikation, stärkt die Bindung und sorgt dafür, dass der Hund sich auch in schwierigen Situationen an seinem Menschen orientiert, statt eigene Entscheidungen zu treffen, die möglicherweise unerwünscht oder gefährlich sind. Ein Hund, der sich an seinem Menschen orientiert, reagiert schneller auf Signale und bleibt auch in ablenkungsreichen Umgebungen besser ansprechbar.

Freudvolle Interaktion ist mir vor allem beim Spaziergang wichtig. Der ideale Spaziergang ist für mich eine ausgewogene Mischung aus Umwelterkundung und Interaktion mit mir. Interaktion umfasst für mich alles bei dem ich mit dem Hund in irgendeiner Weise interagiere – dazu zählt zum Beispiel schon Blickkontakt aufnehmen oder gemeinsam an einem Ort verweilen. Aber auch aktivere Interaktionen wie gemeinsame Spiele (vor allem jene, bei denen der Hund die Nase einsetzten muss) oder gezieltes Training (zum Beispiel Rückruftraining). Freudvolle gemeinsame Erlebnisse stärken die Bindungen, sind die Grundlage für Orientierung und schaffen Vertrauen. Zudem habe ich den erwünschten Nebeneffekt, dass sich der Hund nach dem Spaziergang sehr viel zufriedener fühlt, wie wenn „nur“ parallel spazieren gegangen wird.

Die Bedürfnisse eines Hundes sind vielfältig und abhängig von Alter, Rasse, Geschlecht und individuelle Persönlichkeitsmerkmalen. Generell lassen Bedürfnisse in verschiedene Bereiche einteilen: biologische Grundbedürfnisse, Sicherheitsbedürfnisse, soziale und mentale Bedürfnisse, sowie Wertschätzung und Anerkennung.

Biologische Grundbedürfnisse

Hunde haben grundlegende biologische Bedürfnisse, die für ihr Wohlbefinden unverzichtbar sind. Dazu zählen eine gesunde und artgerechte Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmäßige Ruhephasen. Spaziergänge, Freilauf und spielerische Aktivitäten sind wichtig, um überschüssige Energie abzubauen, Muskeln zu stärken und Übergewicht zu vermeiden. Neben der körperlichen Bewegung ist auch die geistige Förderung durch Training und Beschäftigung essenziell. Ein stressfreies Kot- und Urinabsetzen mehrmals täglich gehört ebenfalls zu den biologischen Grundbedürfnissen, genauso wie regelmäßige Pflegemaßnahmen wie Fell-, Krallen- und Zahnpflege. Außerdem sollten Schmerzen und Krankheiten frühzeitig erkannt und behandelt werden, um die Gesundheit des Hundes sicherzustellen. Diese Grundbedürfnisse bilden die Basis für ein gesundes und zufriedenes Leben.

Sicherheitsbedürfnisse

Sicherheitsbedürfnisse spielen eine zentrale Rolle für das Wohlbefinden eines Hundes. Ein ruhiges und sicheres Zuhause gibt dem Hund Geborgenheit, genauso wie feste Mahlzeiten, ein geregelter Tagesablauf und Rituale. Eine zuverlässige und vertrauensvolle Bezugsperson ist essenziell – sie dient dem Hund als Anker in stressigen Situationen und vermittelt Schutz und Stabilität. Klare Regeln und Grenzen bieten zusätzliche Sicherheit, da sie dem Hund Orientierung geben und ihm helfen, sich in seiner Umgebung zurechtzufinden. Auch die körperliche und seelische Unversehrtheit sowie ein liebevoller Umgang sind entscheidend, ebenso wie der Schutz vor Gefahren.

Soziale Bedürfnisse

Als soziale Wesen benötigen Hunde engen Familienanschluss und ein gemeinsames Leben mit ihren Menschen. Mensch und Hund bilden zwar kein Rudel, aber sie leben in einem Sozialverband, der durch Bindung und Zusammenhalt geprägt ist. Die souveräne Führung durch den Menschen basiert dabei nicht auf Härte, sondern auf fairen Regeln und einem respektvollen Umgang. Die wichtigste Aufgabe des Menschen ist es, eine stabile Bindung aufzubauen und dem Hund vor allem in schwierigen Situationen sozialen Rückhalt zu geben. Vertrauen und ein liebevoller, gerechter Umgang stärken die Beziehung. Kontakt zu Artgenossen ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der sozialen Bedürfnisse. Es müssen nicht täglich neue Begegnungen sein – viele Hunde profitieren von regelmäßigen Treffen mit wenigen Hundekumpels, mit denen sie sich gut verstehen.

Mentale Bedürfnisse

Neben der körperlichen Auslastung ist auch die geistige Förderung für Hunde essenziell. Sie wollen beschäftigt und gefordert werden, sei es durch Suchspiele, Intelligenzspielzeuge oder Trainingseinheiten. Abwechslung im Alltag, wie unterschiedliche Spazierwege oder kleine Aufgaben, hält sie geistig fit und zufrieden. Hunde sind neugierige Tiere, die gerne lernen und neue Fähigkeiten entwickeln. Training stärkt nicht nur die geistige Gesundheit, sondern macht ihnen auch Freude und stärkt die Bindung zu ihrem Menschen.

Wertschätzung und Anerkennung

Auch Hunde haben ein Bedürfnis nach Wertschätzung und Anerkennung. Sie möchten als Individuum wahrgenommen und positiv bestärkt werden. Dazu gehört, den Hund zu verstehen, seine Motivationen zu erkennen und seine Körpersprache lesen zu können. Belohnungsorientiertes Training hilft dabei, dem Hund wichtige Signale für den Alltag beizubringen und fördert gleichzeitig das Vertrauen. Gemeinsame Aktivitäten, Lob und Geborgenheit tragen dazu bei, dass der Hund sich wertgeschätzt fühlt und die Beziehung zum Menschen gestärkt wird.

Jeder Hund sollte die Möglichkeit haben, seine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Das bedeutet, ihm Raum für individuelle Vorlieben und Stärken zu geben und ihn dabei zu unterstützen, diese zu entfalten. Durch Training, gemeinsame Aktivitäten und das Eingehen auf seine Bedürfnisse kann der Hund ein erfülltes Leben führen, das sowohl seine körperliche als auch seine emotionale Gesundheit stärkt.

Manchmal wird fälschlicherweise davon ausgegangen, dass Hunden im positiven Hundetraining keine Grenzen gesetzt werden. Natürlich brauchen Hunde Grenzen – es ist nur die Frage wie ich diese Grenzen aufbaue, kommuniziere und durchsetze. Hunde brauchen klare Regeln und Strukturen, um sicher durch den Alltag navigieren zu können. Im positiven Hundetraining werden Grenzen auf eine freundliche, klare und respektvolle Weise gesetzt, die das Vertrauen und die Beziehung zwischen Mensch und Hund stärkt.

Klare Grenzen

Um dem Hund fair beibringen zu können, welche Grenzen es in seinem Leben gibt, muss sich der Mensch erstmal im Klaren darüber sein, welche Regeln es im gemeinsamen Leben überhaupt geben soll. Das ist individuell je nach Lebensverhältnissen des Menschen total unterschiedlich. Bin ich mir als HalterIn darüber im klaren, kann ich diese Grenzen durch Training etablieren. Ein wichtiger Punkt ist dann die konsequente Einhaltung dieser Regeln. Inkonsequenz ist verwirrend und unfair dem Hund gegenüber.

Grenzen durch Signale aufbauen

Wie werden Grenzen gesetzt? Im positiven Hundetraining baue ich Grenzen auf indem ich diese trainiere. Beispiel: Die meisten Hunde lieben es Menschen zur Begrüßung anzuspringen (was sehr unangenehm ist). Im Idealfall vermeide ich von Welpenalter an, dass der Hund überhaupt für Hochspringen verstärkt wird, so dass der Hund gar nicht erst lernt, dass dieses Verhalten sich lohnt. Ist dieser Zug schon abgefahren, muss ich Begrüßungssituationen explizit üben. Nähert sich eine zweite Person, wird jedes wünschenswerte Verhalten belohnt, egal ob der Hund dabei sitzt oder einfach nur alle vier Pfoten am Boden hat und sich ruhig verhält. Ich warte also nicht ab bis der Hund den Menschen anspringt, sondern ich trainiere schon davor das wünschenswerte Alternativverhalten. Natürlich bedingt das Trainieren und Üben in verschiedenen Situationen mit verschiedenen Menschen. Steckt der Mensch genug Zeit und Energie in das Training und eignet sich in Begrüßungssituationen ein gutes Timing an, dann weiß der Hund was von ihm gewollt ist und wird die Grenze des Anspringens nicht überschreiten.

Grenzen durch Management

Manchmal ist es sinnvoll, Grenzen durch Management zu setzen. Möchte ich zum Beispiel, dass der Hund keinen Zugang zu einem bestimmten Wohnbereich hat, ist es oft sinnvoll diesen Bereich durch ein Kindergitter für bestimmt Zeit abzusperren, statt den Hund den ganzen Tag wieder auf die andere Seite einer imaginären Grenze zu schicken. Hat der Hund durch das Gitter gelernt, dass dieser Bereich für ihn Tabu ist, kann man nach einiger Zeit das Gitter entfernen und hat eine leichtere Ausgangslage. Übertritt der Hund nun die unsichtbare Grenze, schicke ich ihn freundlich wieder zurück. Wahrt er die Grenze freiwillig, kann ich ihn dafür loben. In solch einem Beispiel wäre es aber notwendig, dass der Hund in Abwesenheit des Menschen nicht einfach die Grenze überschreiten kann (das wäre für das Training nicht gewinnbringend).

Es ging jetzt schon mehrmals um positive Verstärkung, also Belohnung. Aber welche Möglichkeiten habe ich denn noch meinem Hund Feedback zu seinem Verhalten zu geben? Die vier Lernquadranten der operanten Konditionierung bestehen aus: positiver Verstärkung, negativer Verstärkung, positiver Bestrafung und negativer Bestrafung. Die Begriffe „positiv“ und „negativ“ beziehen sich dabei auf das Hinzufügen oder Entfernen eines Reizes, nicht auf dessen Wert.

Positive Verstärkung: Ein Verhalten wird verstärkt, indem etwas Angenehmes hinzugefügt wird. Beispiel: Der Hund bekommt ein Leckerli, wenn er auf Signal „Sitz“ macht.

Negative Verstärkung: Ein Verhalten wird verstärkt, indem etwas Unangenehmes entfernt wird. Beispiel: Ich bringe den Hund durch unangenehmen Druck auf die Kruppe in ein Sitz. Sobald er sitzt nehme ich die Hand weg, der Druck lässt nach und der Hund fühlt sich erleichtert.

Positive Bestrafung: Ein Verhalten wird reduziert, indem etwas Unangenehmes hinzugefügt wird. Beispiel: Der Hund springt an jemandem hoch und wird mit einem lauten Geräusch erschreckt.

Negative Bestrafung: Ein Verhalten wird reduziert, indem etwas Angenehmes entfernt wird. Beispiel: Ich verwehre dem Hund das Leckerli, wenn er sich auf mein „Sitz“ Signal hin nicht hinsetzt.

Das Grundprinzip des Lernens bei Hunden basiert auf den Folgen ihres Verhaltens:

  • Verhalten, das positiv verstärkt wird, tritt häufiger auf. Wenn ein Hund für ein gewünschtes Verhalten etwas Angenehmes erhält (z. B. Lob, Futter, Spiel), wird er motiviert, dieses Verhalten zu wiederholen.
  • Verhalten, das bestraft wird, tritt seltener auf. Wenn ein Hund für ein unerwünschtes Verhalten eine unangenehme Konsequenz erfährt (z. B. Ignorieren, Entzug von Aufmerksamkeit), wird er das Verhalten seltener zeigen.

Hunde lernen also durch die Konsequenzen ihres Handelns. Wird erwünschtes Verhalten im Fortlauf des Trainings mehr, funktioniert dein Ansatz. Wird unerwünschtes Verhalten im Verlauf des Trainings nicht weniger, musst du deinen Trainingsansatz überdenken.

Alle vier Lernquadranten finden im Leben (auch in unserem Leben) täglich Anwendung, bewusst und unbewusst. Ja, wir strafen unsere Hunde auch – jeder von uns. Jedes „Nein“ hat die Intention den Hund positiv zu strafen (ob dieses verbale Feedback beim Hund wirklich als Strafe ankommt ist individuell unterschiedlich). Die Bandbreite von positiver Strafe reicht von einem verbalen „Nein“ bis hin zu körperlicher Gewalt (die leider immer noch Anwendung findet). Fakt ist: positive Strafe hat die Intention beim Hund Emotionen wie Unsicherheit, Angst und im schlimmsten Fall Schmerzen hervorzurufen. Und ein weiterer Punkt: richtig strafen ist schwieriger als man denkt!

Die Sache mit der positiven Strafe

Die Anwendung positiver Strafe im Hundetraining ist äußerst anspruchsvoll und birgt viele Risiken, da sie nur unter strenger Beachtung der Regeln effektiv und fair sein kann. Schauen wir uns die Bedingungen an:

  1. Strafe muss sofort erfolgen (binnen 0,5-1 Sekunde): Hunde verknüpfen eine Strafe nur mit dem Verhalten, wenn sie direkt darauf folgt. Das erfordert absolute Präzision und Aufmerksamkeit – etwas, das in der Praxis oft schwierig umzusetzen ist.
  2. Strafe muss stark genug sein, um das Verhalten zuverlässig zu unterbinden: Eine milde Strafe kann ignoriert werden, während eine zu starke Strafe den Hund verängstigen oder das Vertrauen beschädigen kann. Die richtige Balance zu finden, ist eine Herausforderung und stark abhängig vom einzelnen Hund.
  3. Strafe muss jedes Mal erfolgen, wenn der Hund das Verhalten zeigt: Inkonsistenz führt dazu, dass der Hund das Verhalten nicht zuverlässig mit der Strafe verknüpft. In der Realität ist es jedoch kaum möglich, ein Verhalten ausnahmslos jedes Mal zu bestrafen.
  4. Strafe muss genau mit dem Verhalten verknüpft werden und mit nichts anderem: Hunde nehmen die Situation oft ganzheitlich wahr. Wenn die Strafe falsch eingesetzt wird, könnte der Hund z. B. das Bestraftwerden mit der Umgebung, anderen Hunden oder sogar seinem Menschen verknüpfen, statt mit dem unerwünschten Verhalten.
  5. Durch die Strafe weiß der Hund dann eventuell was er NICHT tun soll, ABER: er weiß nicht was er eigentlich hätte tun sollen!

In der Praxis ist es sehr schwer, all diese Regeln zuverlässig einzuhalten, selbst für erfahrene TrainerInnen. Hinzu kommt, dass Strafe immer das Risiko birgt, Nebenwirkungen zu erzeugen, wie Stress, Angst oder Vertrauensverlust.

Daher wird im modernen, positiven Hundetraining weitgehend auf die Anwendung positiver Strafe verzichtet. Stattdessen liegt der Fokus auf Belohnung erwünschten Verhaltens, Management unerwünschter Situationen und Umlenkung von Verhalten. So kann der Hund auf stressfreie und nachhaltige Weise lernen, ohne Schaden für die Mensch-Hund-Beziehung.

Positives Hundetraining setzt auf Belohnung und Verstärkung erwünschten Verhaltens, während unerwünschtes Verhalten durch präventive Maßnahmen und Management minimiert wird. Der Fokus liegt dabei auf einer individuellen, bedürfnisorientierten Herangehensweise, die sowohl die Bedürfnisse des Hundes als auch die Lebensumstände des Menschen berücksichtigt.

Zentral sind dabei Kommunikation, Orientierung und eine vertrauensvolle Bindung zwischen Mensch und Hund. Training über positive Verstärkung fördert nicht nur das gewünschte Verhalten, sondern stärkt auch die Beziehung und das gegenseitige Verständnis. Besondere Aufmerksamkeit wird der Fähigkeit gewidmet, den Hund zu „lesen“, um auf seine Signale angemessen reagieren zu können.

Effektives Training und nachhaltige Erziehung fordern vom Menschen Motivation, die Bereitschaft sich Wissen anzueignen ( und dieses umzusetzen), sowie Beobachtungsgabe, Geduld und Reflektion. Klare Regeln, konsequentes Handeln und faire Grenzen sind essenziell, um dem Hund Orientierung und Sicherheit zu geben.

Positives Hundetraining ist ein Prozess, der auf gegenseitigem Respekt, Achtsamkeit und einer nachhaltigen Förderung von erwünschtem Verhalten basiert – mit dem Ziel, ein harmonisches Zusammenleben zu schaffen. Ich hoffe ich konnte dir mit diesem Beitrag helfen, dich im Dschungel der verschiedensten Ansätze und Methoden zurechtzufinden.

Hast du Fragen, kannst du mich natürlich jederzeit gerne kontaktieren:

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