Gratulation! Du hast dich dazu entschieden einen Welpen oder Junghund in deine Familie aufzunehmen – es wird eine schöne, spannende, aber auch herausfordernde Zeit werden!
Im Folgenden habe ich einige wichtige Informationen für euch zusammengestellt.
Entwicklungsphasen
Die meisten Welpen kommen mit 8 Wochen in ihre neue Familie – mitten in der Sozialisierungsphase, auch sensible Phase genannt, welche ca. von 3. bis zur 16. Lebenswoche dauert. Alles was der Welpe in dieser Zeit erlebt, bestimmt maßgeblich seine zukünftige Entwicklung. Deshalb werden die Grundlagen für spätere Verhaltensweisen schon beim Züchter gelegt und von der neuen Familie fortgeführt. Im Vordergrund steht in dieser Zeit die Sozialisierung. Welpen brauchen positive Erlebnisse und Erfahrungen mit anderen Menschen, Hunden, Tieren, Objekten, Gerüchen, Geräuschen und Umgebungen. Der Welpe muss aber nicht nur seine Sozialpartner kennenlernen, sondern auch lernen mit Stress umzugehen, Körperbewusstsein entwickeln, die Körpersprache von anderen Lebewesen lesen lernen und vieles mehr. Ihr werdet gefordert sein, das kann ich euch versprechen 😉
Der Sozialisierungsphase folgt die juvenile Phase, welche mit dem Zahnwechsel beginnt und mit der Geschlechtsreife endet (Rüden fangen an das Bein zu heben und Hündinnen werden das erste Mal läufig). Nach Abschluss des Zahnwechsels, wird dein Hund offiziell ein Junghund (und kein Welpe mehr) sein. Mit Beginn der Pubertät werden ganz neue Herausforderungen auf euch zu kommen, denn das Gehirn deines Hundes befindet sich in dieser Zeit „under construction“. Durch die Umbauarbeiten im Gehirn werden Verhaltensweise, die vorher wunderbar funktioniert haben, unter Umständen nicht mehr so gut funktionieren. Außerdem wird dein Junghund erkundungsfreudiger, schneller erregbar und leichter gestresst. Wichtig! Dein Hund versucht nicht „seine Grenzen zu testen“ oder will aufmüpfig und frech sein – er ist einfach ein ganz normaler Hund, der entwicklungsgemäßes Verhalten zeigt. In dieser Zeit ist es wichtig Verständnis und Geduld zu haben, öfters mal tief durchzuatmen, Routinen etablieren und an den Grundlagen arbeiten.
Körper und geistig erwachsen ist dein Hund erst mit 3-4 Jahren. Obwohl das Längenwachstum viel früher abgeschlossen ist, benötigt dein Hund noch mehrere Jahre, um völlig erwachsen zu werden.
Der Welpe zieht ein
Schon bevor der Welpe einzieht, solltest du dich auf dein neues Familienmitglied vorbereiten. Eine Zusammenfassung dazu findest du in auf den folgenden Folien ↓





Ist der Welpe da, beginnt erst einmal die Eingewöhnung. In der ersten Woche soll der Welpe in Ruhe seine neue Familie und sein neues Zuhause kennenlernen. Er wurde von seiner Mutter, seinen Geschwister und seiner gewohnten Umwelt getrennt und nun ist alles neu – gibt ihm Zeit sich einzuleben. Nach einer Woche könnt ihr anfangen ihm schrittweise seine neue Umwelt zu zeigen – die ersten Besucher können kommen und es können die ersten kleinen Erkundungsspaziergänge in der Nachbarschaft gemacht werden. In den nächsten Wochen steht die Sozialisierung und das Kennenlernen seiner neuen Umwelt im Vordergrund: neue Menschen, neue Orte, andere Tiere, neue Gerüche, Objekte und Situationen. Erkundet die Welt gemeinsam – du bist sein neuer Bezugspartner, der Vertrauen gibt und Mut macht, auch in stressigen Situationen.
Welpenzeit No-gos!
- Welpe durch stressige Situationen zwingen à la „das muss er aushalten“
- Unkontrollierter Kontakt zu anderen Hunden à la „die machen sich das schon aus“ (Achtung Mythos: Welpenschutz gibt es nicht)
- Kontakt zu jedem anderen Hund zulassen
- Sich von jedem streicheln lassen müssen
- Überall hin mitgenommen werden
Welpenzeit Dos:
- dem Welpen dazu verhelfen gute, positive Erfahrungen zu machen
- Menschen als Support System und Vertrauenspersonen kennenlernen – in Konfliktsituationen helfen
- dem Welpen Zeit lassen sich zu entwickeln
Welpenerziehung – Bausteine


Bindung und Vertrauen
Sei ein zuverlässiger Sozialpartner für deinen Hund – hilf ihm sich in neuen Situationen sicher zu fühlen. Gemeinsame positive Erlebnisse und Erfahrungen schaffen Bindung und Vertrauen.
Alltagstraining
Welpentraining ist Alltagstraining! Das grundlegende Ziel bei jedem Hund ist die Alltagstauglichkeit – an der Leine gehen, alleine bleiben, Auto fahren, Hundebegegnungen, freiwillige Rückorientierung, Rückruf, warten können uvm.
Sozialisierung und Umweltsicherheit
Hilf deinem Welpen die Umwelt kontrolliert kennenzulernen – die Welt ist groß für so einen kleinen Hund. Stadt, Wald, Felder – alles ist neu und sollte positiv verknüpft werden. Eine einzige positive Erfahrung in einer neuen Umgebung, mit fremden Menschen, Tieren oder Objekten, reicht aus, so dass der Hund diese Erfahrung als „positiv“ abspeichert.
Ruhe und Entspannung
Welpen müssen sehr viel ruhen – was sie nicht immer von alleine tun. Deshalb müssen wir ihnen helfen sich zu Entspannen, indem wir zum Beispiel Ruhezonen schaffen und ihnen helfen durch Kauartikel, Schleckmatten oder Schnüffelteppiche runterzukommen. Welpen müssen lernen, dass es nicht immer nur Action gibt. Neben der Ruhe zuhause, ist es außerdem wichtig auch Ruhe beim Spaziergang zu erlernen.
Grundlagentraining und Belohnungsstruktur
Eines der ersten Signale, die ich einem Welpen beibringe, ist das Belohnungssignal (Markersignal), welches eine Belohnung bei mir ankündigt. Außerdem kann nach der ersten Eingewöhnung mit dem Training der ersten Grundsignale wie zum Beispiel „Sitz“ gestartet werden.
Häufige Probleme
Beißen, Hochspringen, den Menschen auf Schritt und Tritt verfolgen sind nur ein paar Verhalten, die die meisten Welpen zeigen, die der Mensch aber gar nicht toll findet. Klar ärgern wir uns, wenn der Welpen unsere neuen Schuhe angeknabbert hat oder, wie mein erster Welpe damals, meine ganz neue Blockflöte (ich war zwölf). Welpen tun, was Welpen nun mal so tun. Deshalb liegt es an unserem Management, dass wir unser Zuhause so gestalten, dass der Welpen keine teuren, aber auch keine für ihn gefährlichen Gegenstände rumliegen lassen.
Beißen
Wir haben Hände, Hunde haben nur ihr Maul. Deshalb erkundet der Welpe alles damit. Deshalb alles wegräumen, in das er nicht beißen soll. Außerdem beißen Welpen sich gegenseitig im Spiel, wodurch sie die Beißhemmung entwickeln. Wenn einer zu fest beißt, wird der andere das Spiel beenden und der Beißer wird mit der Zeit lernen weniger stark zu beißen. Das muss der Welpe auch erst im Umgang mit uns Menschen lernen. Welpen haben auch das Bedürfnis zu beißen und zu nagen, weil ihre Zähne wachsen und das Zahnfleisch juckt. Kauartikel (Kauspielzeug oder Kauhölzer) stillen das Kaubedürfnis und können zum Beispiel sehr gut mit Boxen- oder Deckentraining kombiniert werden. Aber jeder Welpe wird früher oder später versuchen in unser Hosenbein, den Ärmel oder unsere Finger zu beißen. Wie kann dieses Verhalten abgebrochen werden? Wenn wir schimpfen und den Welpen wegschieben, wir er höchst wahrscheinlich gleich wieder versuchen zu beißen. Warum? Er hat dadurch Aufmerksamkeit bekommen und vielleicht ist es für ihn auch ein tolles Spiel – weggeschoben werden und wieder angreifen. So erreichen wir genau das Gegenteil – wir verstärken das Beißen.
Mit einem „Aua“ kannst du dem Welpen signalisieren, dass es weh tut (Achtung! Timing und Intensität sind wichtig). Dann brich sofort die Interaktion ab, indem du dich abwendest, weggehst und wenn nötig den Raum verlässt. Wenn der Welpe erwünschtes Verhalten zeigt oder ohne zu Beißen Kontakt mit dir aufnimmt, lobe ihn dafür.
Eine weitere Möglichkeit ist eine Hausleine (ohne Schlaufe) in Kombination mit einem Brustgeschirr. Durch die Leine kannst du den Hund festhalten und ihn daran hintern unerwünschtes Verhalten (wie Beißen, anspringen oder aufs Sofa springen) zu zeigen. Achtung! kein rucken, reißen oder zeihen an der Leine!
Baue strukturiertes Spielen mit deinem Hund auf. Ein Welpe muss die Spielregeln erst einmal kennenlernen. Statt in deine Finger, soll er in ein Spielzeug beißen. Spiele also nie mit deinen Händen oder mit Kleidungsstücken. Ein „Aus“ sollte durch positive Verstärkung aufgebaut werden, so dass dein Welpe auch dieses Signal mit etwas Positivem verknüpft und ein „Aus“ keinen Verlust des geliebten Spielzeugs bedeutet.
Alleine bleiben
Welpen verfolgen gerne den Menschen, gehen überall mit hin und wollen nicht alleine bleiben. Es ist wichtig das alleine bleiben langsam schrittweise aufzubauen, damit der Welpe keine Verlustängste entwickelt. Wir starten damit, dem Hund einen feinen Platz einzurichten und trainieren zunächst die ersten Wochen, dass er diesen Platz mit Entspannung verbindet und sich dort wohl fühlt. Auf diesem Platz gibt es täglich Entspannungshilfen wie Schnüffelteppiche oder Schleckmatten und es wird das erste „Bleib“ trainiert. Hat der Welpe eine große Erwartungshaltung auf diesen Ort, wird er sich im Alltag freiwillig dort hin zurückziehen und ruhen. Dann kann ich das erste Mal kurz vor die Tür gehen und zurückkommen. Alleine bleiben sollte völlig unaufgeregt in kleinen Schritten erfolgen. Aber mindestens genauso wichtig, wenn nicht sogar noch wichtiger, sind die vielen kleinen Stellschrauben im Alltag, an denen man drehen kann, um ein entspanntes allein bleiben zu ermöglichen.
Zuletzt noch eine Übersicht über die einzelnen Fertigkeiten und Fähigkeiten der wichtigsten Bausteine der Welpenerziehung:


Mona Semsch | +43 699 18283336 | info@kopf-herz-pfote.com
Kopf | Herz | Pfote – Mona Semsch 2024 ©️
